Hanns Eislers Ouvertüre zu einem Lustspiel bringt eine spritzige, fast schelmische Dimension in unser Programm. Als politisch engagierter Komponist, der vor den Nationalsozialisten ins Exil fliehen musste, wusste Eisler genau, was es bedeutet, in fremden Ländern zu leben und zu arbeiten. Dennoch sprüht diese Ouvertüre vor Vitalität, Witz und scharfer Ironie. Mit unkonventionellen Rhythmen, rhythmischen Stolpersteinen und heiteren Brüchen fordert Eisler unsere Hörgewohnheiten heraus. Das Stück beweist, dass die Begegnung mit Neuem und Unerwartetem nicht immer schwer oder beängstigend sein muss. Manchmal begegnet man dem Fremden am besten mit Humor, Leichtigkeit und der Freude am Unkonventionellen.
Mit dem titelgebenden Eröffnungsstück aus Robert Schumanns Kinderszenen beginnen wir unsere Reise dort, wo jede Entdeckung ihren Ursprung hat:
in der Fantasie. Schumann blickt hier nicht mit dem Notizbuch eines Weltreisenden auf die Ferne,
sondern mit den unvoreingenommenen Augen eines Kindes, dem Geschichten von fernen Welten erzählt werden.
Die sanft wiegende Melodie braucht keine exotischen Instrumente, um ein Gefühl von Weite zu erzeugen.
Das „Fremde“ ist hier keine Bedrohung, sondern ein Raum voller Wunder, Sehnsucht und Neugierde.
Schumann erinnert uns daran, dass das Fremde oft genau dort beginnt, wo wir bereit sind,
den Blickwinkel zu wechseln und die Welt wieder mit staunenden Augen zu sehen.
Das Stück lädt dazu ein, sich beim folgenden Programm mit der Frage auseinander zu setzen,
was für uns als fremd gilt, und ob wir das fremde Fremd sein lassen wollen.
Bei dem Stück Mountains von Hans Zimmer, aus dem Film Interstellar (2014),
nehmen wir Sie mit auf eine Reise zu einem besonders fremden und fernen Ort,
zu einem fremden Planeten, genannt Millers Planet. In der Szene zur Musik landet die Crew auf dem Planeten,
der nahezu komplett aus Wasser besteht. Nicht nur das, auch vergeht die Zeit hier langsamer als auf der Erde,
in einer Stunde auf dem Planeten Mountains vergehen sieben Stunden auf der Erde.
Die Zeit spielt in dem Stück eine große Rolle. Das stetige Ticken,
welches im Verlauf des Stückes immer schneller wird, vermittelt ein drängendes Gefühl und zeigt auf wie wichtig jede Sekunde ist und wie schnell die Zeit vergeht.
Mountains erzählt von der Faszination des Fremden, aber auch die Angst davor. Was passiert, wenn wir das Bekannte verlassen? Auf was oder wen werden wir treffen?
Von fremden Ländern und Menschen, bedeutet hier eine Reise zu einem Ort jenseits unserer Vorstellungskraft, doch so wie jeder Reise ist es ein Ort an dem wir Unbekanntes nicht nur sehen, sondern fühlen - fremd, überwältigend aber wunderschön.
Mit La Fée aux miettes aus Tschaikowskis Ballettklassiker Dornröschen tauchen wir tief in das Reich der Märchen und kindlichen Fantasien ein. Als eine der guten Feen, die dem neugeborenen Kind ihre Gaben darbringen, steht die „Krümel-Fee“ für Großzügigkeit, Fülle und Fürsorge - symbolisiert durch die Brotkrumen, die sie freigebig wie Gaben verteilt. Tschaikowskis Musik fängt diese Szene mit unvergleichlicher Leichtigkeit ein: zarte, funkelnde Melodielinien, tänzerische Grazie und ein heiteres, fast schelmisches Flirren in den Stimmen. Das Fremde begegnet uns hier nicht als bedrohliche Ferne, sondern als Einladung in eine verzauberte, wundersame Welt. Es erinnert daran, dass das Entdecken fremder Sphären oft wie ein Schritt in eine Märchenerzählung ist - ein Ort jenseits des Alltäglichen, an dem das Staunen wieder die Oberhand gewinnt.
Als David Paich den Song in den frühen 1980er-Jahren schrieb, hatte er den afrikanischen Kontinent noch nie selbst betreten. Seine Inspiration speiste sich aus Dokumentationen, Büchern und einer tiefen Faszination für einen Ort, den er nur aus der Ferne erahnen konnte. In unserem orchestralen Arrangement treten die vertrauten Gesangslinien in den Hintergrund und überlassen den Instrumenten die Erzählung. Die vielschichtigen Percussion-Muster, die warmen Klangfarben und die schwellenden Melodiebögen fangen diese romantische Sehnsucht rein klanglich ein. Das Stück zeigt, dass das Fremde nicht immer greifbar oder wörtlich benannt werden muss, um uns emotional zu bewegen; manchmal reicht der bloße Orchesterklang, um eine ferne Welt vor unserem inneren Auge lebendig werden zu lassen.
Bei Coldplays Viva la Vida reisen wir nicht an einen fernen Ort auf der Landkarte,
sondern durch das Schicksal eines Menschen. Das Lied erzählt die Geschichte eines gestürzten Herrschers,
der einst alles besaß und plötzlich vor dem Nichts steht.
In unserer rein instrumentalen Orchesterfassung braucht es dafür keinen Text und keinen Gesang:
Die kraftvollen Rhythmen in den Streichern sprechen für sich.
Die Musik nimmt uns mit in einen Moment,
in dem von einer Sekunde auf die andere alles aus den Fugen gerät.
Hier begegnet uns das Fremde auf eine ganz persönliche Art:
Wie fühlt es sich an, wenn das vertraute Leben plötzlich zusammenbricht und man sich in der eigenen Welt wie ein Fremder vorkommt?
Ganz ohne Worte wird spürbar, wie unberechenbar das Leben sein kann - mitreißend, packend und voller Energie.
Mit Karl Jenkins Palladio, genauer gesagt dem 1. Satz Allegro, reisen wir nicht nur an einen anderen Ort, sondern auch in eine andere Zeit.
Palladio ist inspiriert von der italienischen Renaissance-Architektur des Architekten Andrea Palladio.
Jenkins selbst sagte, Palladios Architektur hätte zwei Markenzeichen:
mathematische Harmonie und architektonische Elemente der klassischen Antike entlehnt.
Symmetrie und Ordnung lassen sich auch in Jenkins Palladio erkennen,
wiederkehrende Motive, klare Strukturen und treibende Rhythmen die ein kraftvolles, stabiles Ganzes ergeben.
Durch Jenkins Palladio merken wir, auch wenn uns etwas erst fremd erscheint,
bei genauerem Hinschauen lässt sich etwas Vertrautes erkennen. Der Wunsch nach Schönheit,
Ordnung und Harmonie. Etwas was so anders sein kann aber doch immer gleich erscheint.
Clara Ade, Gabriele Haunz, Sara Ribeiro, Maike Kraus, Heike Leuenberger, Lisa Braun, Eva Meyer, Andrea Fink, Laura Horstkötter
Lena Aichelmann, Johanna Dorfmüller, Clemens Nitschke
Elisabeth Wäschle, Till Köhler, Melina Tachtalis, Matthias Wodsak
Simon Götz
Martina Sommer, Andreas Helferich
Viviane Spannbauer, Lena Gollbach, Lisanne Knapp, Katharina Baba
Alexander Weiß, Antje Rehling, Franziska Graf, Patrick Deppe, Ines Bösinger, Tim Bösinger
Lucy Brehm, Silvana Zingrebe
Kai Lupsina, Ruben Ade, Timo Schildknecht, Martina Teubert, Christoph Meider
Sayaka Shima
Patrick Sonntag, Bastian Bart, Lenny Stüwe-Wipf
Dietmar Weber
Anette Harzer
Ruben Ade
Yuhmu Shima, Felix Lehmann, Jan Leidoldt, Timon Hahn
Magnus Götz