Mit dem monumentalen Finale aus Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung, dem Großen Tor von Kiew, reisen wir in die Welt historischer Visionen und monumentaler Architektur. Inspiriert von einem Architekturentwurf seines früh verstorbenen Freundes Viktor Hartmann, schuf Mussorgski ein klingendes Denkmal für ein Bauwerk, das in der Realität so nie erbaut wurde. Im kraftvollen Klang unseres Blechensembles verschmelzen festliche Glockenklänge, feierliche altrussische Choräle und majestätische Fanfaren zu einer überwältigenden Klangkathedrale. Hier begegnet uns das Fremde als das Mystische und Überzeitliche: Eine Stadt und ein Tor, die in dieser Gestalt nur in der Kunst und in der Fantasie existieren, werden durch die Strahlkraft des Blechs greifbar nah – ein erhabener Blick auf ein fernes, fast schon sagenhaftes Monument.
Mit der Suite Impromptu des französischen Posaunisten und Komponisten André Lafosse betreten wir klanglich ein ganz neues Terrain: die klangfarbenreiche Welt der französischen Blechbläsertradition des 20. Jahrhunderts. Lafosse entlockt dem Ensemble eine bemerkenswerte Vielfalt, die weit über das gewohnte heroische Schmettern von Blechbläsern hinausgeht. Das Werk pendelt zwischen augenzwinkerndem Esprit, rhythmischen Finessen und überraschend lyrischen, fast intimen Momenten. Das Fremde begegnet uns hier als das Unerwartete im scheinbar Bekannten: Blechblasinstrumente, die man oft mit lauten Signalen oder Marschmusik verbindet, zeigen sich plötzlich von einer verspielten, kammermusikalischen und feinsinnigen Seite. Die Suite lädt dazu ein, vorgefasste Vorstellungen über Bord zu werfen und sich auf eine Entdeckungsreise durch neue Klangfarben einzulassen.
Kai Lupsina, Ruben Ade, Timo Schildknecht, Martina Teubert
Sayaka Shima
Patrick Sonntag, Bastian Bart, Lenny Stüwe-Wipf
Dietmar Weber
Magnus Götz