Museumsnacht 2026

-St. Peter & Paul Kirche Singen-



III - Chor




Give Us the Wings of Faith - James Whitbourn

Mit James Whitbourns Give Us the Wings of Faith schlagen wir die Brücke zu einer ganz spirituellen, inneren Dimension des Fremden. Das Werk vertont Verse des englischen Dichters Isaac Watts, die von einer Sehnsucht nach Transzendenz erzählen: die Bitte um Flügel des Glaubens, um über die Grenzen unserer irdischen Existenz hinausblicken zu können. Whitbourn verbindet eine schlichte, tief berührende Melodik mit weiten, schwebenden Klangräumen, die ein Gefühl von zeitloser Ruhe und Weite entstehen lassen. Hier begegnet uns das Fremde nicht als geografische Ferne, sondern als das unaussprechliche Geheimnis des Jenseitigen und Vergangenen - die Welt jener, die uns vorausgegangen sind. Es ist ein musikalischer Blick nach oben, der uns vor Augen führt, dass die Reise in das Unbekannte manchmal die mutige Hoffnung verlangt, das eigene Vertraute für einen kurzen Moment loszulassen.



Von fremden Ländern und Menschen - Robert Schumann

Mit dem titelgebenden Eröffnungsstück aus Robert Schumanns Kinderszenen beginnen wir unsere Reise dort, wo jede Entdeckung ihren Ursprung hat: in der Fantasie. Schumann blickt hier nicht mit dem Notizbuch eines Weltreisenden auf die Ferne, sondern mit den unvoreingenommenen Augen eines Kindes, dem Geschichten von fernen Welten erzählt werden. Die sanft wiegende Melodie braucht keine exotischen Instrumente, um ein Gefühl von Weite zu erzeugen. Das „Fremde“ ist hier keine Bedrohung, sondern ein Raum voller Wunder, Sehnsucht und Neugierde. Schumann erinnert uns daran, dass das Fremde oft genau dort beginnt, wo wir bereit sind, den Blickwinkel zu wechseln und die Welt wieder mit staunenden Augen zu sehen.
Das Stück lädt dazu ein, sich beim folgenden Programm mit der Frage auseinander zu setzen, was für uns als fremd gilt, und ob wir das fremde Fremd sein lassen wollen



Sing Gently - Eric Whitacre

Eric Withacre schrieb den Text und die Musik des Stücks „Sing Gently“ im Jahr 2020. Unter dem Eindruck der globalen Auswirkungen des Corona-Virus schuf Withacre ein Stück was den verbindenden Charakter der Musik ausdrücken sollte; „wir wollen gemeinsam singen - immer“.
Uraufgeführt wurde das Stück von über 17.000 Sängern in einem der von Withacre initiierten virtuellen Chorprojekte im Juli 2020. Die Komposition zeigt somit, wie Musik Grenzen überwinden kann. In Zeiten größter Isolation bildeten die Stimmen sich fremder Menschen einen gemeinsamen Klang.



The Rose - Ola Gjeilo

Mit Ola Gjeilos The Rose wenden wir uns einer intimen, geradezu mystischen Betrachtung des Fremden zu. Der norwegische Komponist vertont hier Zeilen der Dichterin Christina Rossetti, in denen die zarte Schönheit einer einzelnen Blume zum Sinnbild für das Zerbrechliche und Vergängliche wird. Gjeilos unverwechselbare Tonsprache verbindet schwebende, weit aufgefächerte Harmonien mit einer sanften, filmisch anmutenden Melodieführung. Das Fremde begegnet uns in dieser Musik nicht als unberührter Kontinent oder ferner Planet, sondern als das Geheimnisvolle, das sich oft direkt vor unseren Augen verbirgt. Wie eine Rosenblüte, die im Verborgenen aufbricht, lädt das Stück dazu ein, den Blick zu schärfen für die stillen Wunder am Wegesrand - und zeigt, dass die tiefste Faszination manchmal in den einfachsten, unscheinbarsten Erscheinungen unserer Welt liegt.



And so it goes - Billy Joel

Dieser Song gehört zu den bekanntesten Werken des amerikanischen Sängers Billy Joel. Das Lied handelt von Liebeskummer und den Zweifeln eines verlassenen Menschen. Joel spricht eine Erfahrung an, die Jeder schon einmal gemacht hat. Was wenn ein Mensch, der uns einmal nahestand, uns fremd wird? Fremdsein ist nicht zwangsweise ein Startpunkt. Manchmal geht man auseinander, verändert sich und wird sich fremd.
Das von uns gesungene Fassung des Werks stammt von Bob Chilcott. Er arrangierte das Werk für die Kings Singers.



Abendlied - Josef Rheinberger

Rheinbergers Abendlied ist eines der bekanntesten Chorstücke der Romantik. Die Mehrstimmigkeit - die Eigenständigkeit der einzelnen Stimme, die Imitation und Überlagerung der Stimmen, aber auch die Unterbrechungen bilden gemeinsam einen einzigartigen Klangeindruck.
Das letzte Stück unseres Programms, scheint im ersten Moment nicht so ganz in unser Thema, Von fremden Ländern und Menschen, hineinzupassen. Es handelt sich bei dem Stück schließlich um das Lied eines deutschen Komponisten, mit einem deutschen Text und das ist für uns nicht gerade fremd.
Bei genauem Hinhören werden sie jedoch die einfachen kurzen Worte des Liedes hören:
„Bleib bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget.“
Die Worte entstammen dem Lukas-Evangelium und gehören zu der Emmaus-Erzählung. Auf dem Weg in die Fremde begegnen die Jünger einem fremden Menschen. Sie kommen mit ihm ins Gespräch und laden ihn ein mit ihnen zu Essen. Beim gemeinsamen Gebet erkennen sie in dem Fremden Mann Jesus.
Manchmal ist etwas scheinbar Fremdes uns sehr bekannt.
Manchmal treffen wir an Fremden Orten auf etwas Vertrautes.
Mit diesem Gedanken und mit der Ruhe des letzten Stückes wollen wir Sie auf den Weg schicken. Vielen Dank das Sie mit uns auf die Reise gegangen sind und gehört haben - von fremden Ländern und Menschen.




Besetzung


Sopran

Paulina Glöckler, Flavia Götz, Ann-Kathrin Okle, Christina Ade, Maike Kraus, Sara Ribeiro, Lucy Brehm

Alt

Leonie Schüttler, Johanna Glöckler, Clara Paul, Luisa Köhler, Marie Scheifers, Antje Rehling, Sarah Perk

Tenor

Peter Hug, Moritz Walter, Matthias Wodsak

Bass

Ruben Ade, Simon Götz

Klavier

Anette Harzer

Orgel

Lucy Brehm

Dirigat

Magnus Götz